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Leben und leben lassen

Ein philosophischer Exkurs. Es gibt gewisse Phänomene, welche einem immer wieder auffallen – egal in welchen Kreisen man sich bewegt. Ein ganz großes ist das (Be)werten anderer.

fullsizeoutput_d6dWir alle bewerten andere, auch Du. Manche mehr, manche weniger. Andere bewerten, heißt nicht in seiner eigenen Mitte zu sein – und wenn man nicht bereits spiritueller Meister ist, ist man dies meist nicht zur Genüge. Es heißt nicht in der eigenen Mitte zu sein, da man immer aus einem Ungleichgewicht heraus urteilt. Klassischerweise sind es entweder Überheblichkeit oder ein Minderwertigkeitsgefühl, was im Grunde so ziemlich das selbe ist. Wärest Du nicht im Ungleichgewicht und müsstest Dir selber mit Deiner (Be)wertung nicht bestätigen (dies ist der Versuche ein Gleichgewicht zu schaffen) dass Deine Ansicht die richtige ist – würdest Du auch nicht werten.
Das mag jetzt alles ziemlich gerade heraus formuliert sein, aber ich schließe mich da erstens mit ein und zweitens bringt es meiner Meinung nach auf Dauer auch nichts, nicht wirklich 100% ehrlich zu sich zu sein – auch wenn die Wahrheit meist erstmal weh tut.

img_6743-2Meister Li sagt das Problem besteht in unseren Gedanken. Wir denken, dass das was wir denken das Richtige ist und somit wenden wir unsere subjektive Sicht auf alles an. Das ist, so nehme ich an, evolutionär bedingt auch das „richtige“. Man gibt seine Erfahrung weiter, insbesondere in der eigenen Sippschaft, um das Überleben zu sichern.

Nun kommt die interessante Frage: Gibt es das ultimative richtig? Ich würde das mit einem klaren nein beantworten. Es gibt nur das individuell richtige. Individuell heißt für jeden anders. Du kannst nie wissen ob Deine Ansicht auch für die anderen die beste ist.

IMG_8053Hier greift ein anderes Problem vor. Von Natur aus wissen wir eigentlich immer was für uns im Moment richtig ist. Wir kommen mit einer starken Intuition auf die Welt. Nun geschieht oftmals Folgendes. Sind die Babys noch ganz klein, ist es für die meisten Eltern schwierig genau zu wissen, was sie in jedem Moment brauchen. Also handeln sie nach ihrem besten Wissen und Gewissen, logisch. Dies mag nun auch das Beste für das Baby sein, aber aller Wahrscheinlichkeit nach gibt es immer Situationen, in denen das Baby etwas anderes gewollt hätte. Es wird jedoch an das Verhalten der Eltern gewöhnt, sprich konditioniert. So fängt es an, seine eigene Intuition zu verlieren, entwickelt gewisse Verhaltensmuster um das zu bekommen was es möchte… Und wenn es dann bereits deutlicher zeigen kann, was es möchte, sind bereits erste Muster geprägt. Es ist ja allgemein bekannt das die erste Zeit auf der Erde einen besonders prägt.
Und auch wenn Kinder sich bereits ausdrücken können, liegt es an den Eltern und am Umfeld, ob dies auch ernst genommen wird oder, wie ich leider oft beobachte, nicht. Denn die Erwachsenen überblicken das ganze ja „besser“ und können somit die Lage „besser“ einschätzen und für uns das Beste entscheiden. Denken sie zumindest.

fullsizeoutput_1169Und so geht es weiter, jeder zieht seine Erziehung durch in dem Glauben das dies die richtige ist. Und dann kommen Kindergarten, Schule, Freizeit etc. hinzu…Erfahrungen die wir machen… Für manche genau das richtige, für manche Kinder schwer zu ertragen doch sie fügen sich dem. Schon Kinder werden somit durch einen zeitlichen Ablauf geprägt. Die Herausforderung besteht dabei darin, die eigene Intuition beizubehalten und sie nicht zu verlieren. Viele wissen garnicht, dass sie so eine einmal besessen haben. Wie weit kannst Du Dich zurück erinnern? Das bewusste Erinnern beginnt meist mit Beginn der Pubertät, die entscheidenden ersten 6 Jahre welche uns am meisten prägen sind vergessen. Und selbst wenn nicht, der prägnante Zeitpunkt an dem wir unsere Muster entwickeln ist meist nicht so einfach zu finden.

Zur Kindheit und Jugend kommt natürlich auch der Rest des Lebens (bis heute) mit den Erfahrungen die Du machst, hinzu. Je stärker die Erfahrungen desto stärker auch die Blockade. Zudem hat jede Generation ihre ganz eigenen Herausforderungen, dies sieht man schon daran das die eigenen Eltern und/oder Kinder ein ganz anderes Leben führen, was man auch nicht immer verstehen mag.

fullsizeoutput_107aDies ist in keinster Weise ein Vorwurf gegen unsere Eltern, sie haben auch keine Schuld. Wer weiß denn schon was die optimale Erziehung ist, so etwas gibt es nicht. Jeder hofft das seine Erziehung die beste für das Kind ist und ich habe auch keine richtige Formel (geschweige denn bereits Kinder 😀 ). Ohnehin muss jeder Mensch eigentlich als Individuum betrachtet werden, es gibt nicht eine Erziehung für alle. Es soll hier auch garnicht um Kindeserziehung gehen, sondern Dir einfach zeigen, was Du und jeder Mensch erlebt hast. Wieso Du Deine Werte und Deine Vorstellungen hast.

Was allerdings viel tiefer sitzt, sind Deine Blockaden die Du über die vorherigen Leben schon angesammelt und mitgebracht hast – auch Karma genannt. Dies ist meist noch tiefer im Unterbewusstsein versteckt. Letztendlich kann man sagen, das es das ist, was Deinen Charakter maßgeblich prägt. Du bist einfach so, warum weißt Du auch nicht. Wieso sonst hat jedes Baby wenn es auf die Welt kommt bereits einen eigenen Charakter? Dies hat alles mit unserem Yin und Yang und den Blockaden zu tun. Und wenn das nicht noch schon genug zu lösen wäre, übernehmen wir oftmals auch noch verschiedene Familienkarma.

IMG_4330All das ist nicht schlimm, all das trägt jeder mit sich. Es ist nicht schlimm, solange man andere damit nicht stört. Ich kann Dir 100% garantieren, dass jeder eine andere Meinung hat. Zudem ist alles situativ. Was für den einen gut ist, mag für den anderen unpassend sein. Was für den einen Moment richtig ist, mag für den nächsten unpassend sein. Alles ist beweglich, es gibt keine starren, immer zutreffenden Regeln. Das einzig Beständige ist der Wandel.
Manche versuchen anderen alles vorzuschreiben, andere versuchen anderen immer das Beste zu geben und bevormunden denjenigen so…es gibt unterschiedliche Formen der Kompensation. Manche leben sehr wertfrei und nur bei gewissen Situationen/Themen holt es sie dann doch ein, bleiben sie fest bei ihrer Meinung.
All das ist wie gesagt menschlich, auch mir ergeht es so. Dennoch möchte ich dazu anstoßen, sich dessen in erster Linie einmal bewusst zu werden um in zweiter Instanz erst einmal innezuhalten, bevor man reagiert.

cropped-finding-harmony1Da ich mich auf diesem Blog mit Spiritualität und den spirituellen Lehren von Meister Li beschäftige, möchte ich auch hierzu ein Beispiel bringen. Wie alles im Leben, ist diese Lebensweise lebendig. Es gibt keine starren Regeln an die man sich halten kann. Genauso entwickelt es sich mit der Zeit. Wachstum gehört zu allem dazu. Wer auch immer meint, die Dean Methode komplett verstanden zu haben, liegt schon einmal falsch. In der Spiritualität sagt man, wenn jemand denkt schon etwas verstanden zu haben oder auf einer gewissen Stufe steht, zeigt genau dies das dem nicht so ist. Da alles immer ein Neuanfang ist. Man kann sich auch nie an Gesagtem weiser Menschen festhalten…das wäre zu schön 😉 . Erst einmal nehmen wir alles nur durch unsere individuell gefärbte Sicht wahr und zweitens ändert auch das Gesagte sich immer wieder. Es geht mit der Energie, ist nicht starr.

img_6773Ein Beispiel. Manchmal denke ich, gewisse Prinzipien verstanden zu haben. Meister Li erzählt dann etwas was bei mir auf Widerspruch mit dem von ihm Gelernten trifft (zumindest dem so Verstandenen). Früher hat es mich verwirrt, bis ich irgendwann verstand, dass ich mich einfach festgesetzt hatte obwohl dies dann bereits nichts mehr mit Spiritualität zu tun hat. Ich habe etwas durch meine Wahrnehmung wahrgenommen und mich daran geklammert. Doch so schön diese vermeintliche Sicherheit war, so falsch war sie. Dies sind alles recht komplexe Beispiele (die ich bei Zeiten noch einmal näher ausführen werde) da wir ohnehin nur bis zu unserem momentanen Entwicklungsstand begreifen können. Dennoch vermag es vielleicht meinen Punkt zu erklären. Und am Ende, wenn ich mich doch verfange, frage ich mich immer: Wie kann ich denn überhaupt sagen und wissen was die Lehre ist (und was „nicht“), wenn ich sie garnicht selbst kreiert habe? Wie kann ich sagen: Das ist so und so, wenn es der weitaus klareren Sicht eines spirituellen Meisters widersprechen würde? Wie kann ich beurteilen, was falsch ist und was nicht, nur weil alles im Wandel ist da das zum Leben gehört? Auch wenn mich in manchen Momenten dieser Größenwahn packt, irgendwann bringt es mich ohnehin (und zum Glück) wieder zurück auf den Boden der Tatsachen. Denn ich weiß inzwischen, dass ich sehr vieles von dem, was weise Menschen von sich geben, nicht verstehe und ich dem einfach vertrauen muss (sofern ich diesen Weg gehen möchte). Egal ob es für mich (also für mein Karma und meine Konditionierung) Sinn macht oder nicht.

img_5094Spiritualität heißt leben und leben lassen. Man muss nicht gleicher Meinung sein. Selbst nicht mit weisen Menschen, dazu zwingt einen niemand. Es zwingt einen ohnehin niemand irgendwelche Lehren, Ansichten etc. zu verfolgen. Dies ist alles Dein freier Wille. Solange es sich gut anfühlt, geh dem nach. Wenn nicht, lass es los. Die eine goldene Regel ist: Lebe Dein Leben wie es Dir gefällt, aber lass andere leben wie es Ihnen beliebt. Ganz egal wie absurd es erscheinen mag. Und auch wenn es der „falsche“ Weg für Dich oder gar denjenigen selbst sein mag – es ist sein Leben und dies sollte man ihm auch lassen. Ratschläge sind das Eine, aber Ratschläge beharren oder bewerten nicht. Auf etwas beharren und bewerten heißt nichts anderes, als dass Du in dem Moment nicht Dein Leben lebt und das der anderen sogar noch störst. Du selber willst doch auch so leben wie Du magst oder? Jeder kann seine Wahrheit, sein Leben leben und friedlich nebeneinander existieren. Wenn jemand einen für Dich falschen Weg geht, dann kann man sich doch einfach davon distanzieren, wieso bleibt man denn daran kleben?


english version

To live and let live 

A philosophical excursion. There are certain phenomenons which stand out time and again, no matter in which circles you move. One very big one is judging others.

fullsizeoutput_d6dWe all judge, you as well. Some more, some less. To judge others means that you are not in your own balance – and if you are not already a spiritual Master you mainly aren’t well enough. It is called not to be in balance as you judge out of an imbalance. Classically, it happens either out of pride or out of inferiority feeling, which is basically the same. If you would not be in imbalance and had to prove that your view is right by judging (which is the try to find a balance) – you would not judge.
This might all be quite straight forward, but firstly I include myself in it and secondly, in my opinion it does not make sense over a long time to not be 100% true to yourself – even if the truth hurts to start with.

img_6743-2Master Li says the problem is in our thoughts. We think that what we think is right and thus we put our subjective view onto everything. I guess this is evolutionary conditioned the „right“ way. You pass on your experiences, especially in the family, to secure the survival.

Now there is an interesting question: does the ultimative right exist? I would answer this with a clear no. There is only the individual right. Individual means different for everyone. You never know whether your point of view is the best for others as well.

IMG_8053Here, a different problem is coming up first. By nature, we all know what is the right thing for us for the moment. We come with a strong intuition into this world. Now often the following happens. If the babies are still very little, it is usually quite difficult for the parents to exactly know what they need in the moment. Thus, they act to the best of their knowledge, surely. This might be the best for the baby, but in all likelihood there are always some situations in which the baby would have wanted something different. However, it will get used to the behavior of the parents, so to say conditioned. This is how it starts to loose its own intuition and to develop certain behavioral patterns to get what it wants… And when it can show us better what it wants, there are already first patterns set. It is broadly known that the first months influence you most. And when children are able to properly say what they want, it is up to the parents and their surrounding whether they are taken seriously or not and I keep noticing that, unfortunately, it is not always the case. For adults have a „better“ overview and thus are able to evaluate the situation „better“ to decide what is best for us. At least they think so.

fullsizeoutput_1169And this is how it goes on, everyone pulls through their upbringing and believes that it is the right one. And then there follow kindergarten, school, free time etc.…experiences we make…For some totally right, for some children difficult to take, thus they will comply. Already children are shaped by a time flow. The challenge is to keep the intuition and don’t loose it. Many don’t even know that they used to have one. How far back can you remember? The conscious remembering mostly only starts with the beginning of puberty, the essential first 6 years which influence us the most are forgotten. And even if not, the concrete point in time where we developed our patterns are not so easy to find.

Added to childhood and youth, obviously there is the rest of our life so far with the experiences we make. The stronger the experience, the stronger the blockage. Besides, each generation has their very own challenges, easily recognized by seeing how the own parents and/or children live a totally different life which you may not always understand.

fullsizeoutput_107aBy all means, this is not a accusation towards our parents, they are not to blame. Who knows what an optimal upbringing is, there is not such a thing like this. Everyone hopes that „his“ breeding is the best for their children and I do not have the right formula either (let alone children myself 😀 ). Anyways, every human being should be always seen as an individual, there is no upbringing for everyone. Actually this article is not about upbringing at all, I just wanted to point out what everyone went through. Why you have your values and your thoguhts.

What actually goes much deeper, are the blockages which you already collected and brought along from former lives – also called karma. This is mostly even deeper hidden in the subconsciousness. Overall it can be said that this is what significantly forms your character. You are just like this, you don’t know why yourself. Why else every baby already has its own character when it is born? This all has to do with our Yin and Yang and the blockages. And if this wasn’t enough to solve, we often take over different family karma as well.

IMG_4330All this is nothing bad, all this everyone carries within. It is nothing bad as long as you do not disturb others with it. I can guarantee you 100% that everyone has their own opinion. Furthermore, everything is subjective. What might be good for someone might be inappropriately for someone else. What might be right for the moment, might be inappropriately for the next moment. Everything is moveably, there are no firm rules that always apply. All is flux, nothing stays still.
Some try to enjoin everything on others, some try to always give just the best for others and thus patronise them…there are different forms of compensation. Some live without judging and only at certain situations/topics it catches up with them, they remain with their fixed opinion. As I mentioned, all this is okay, I am like this as well. Yet I would like to initiate that you first of all be aware of it and secondly to just pause a moment pause before you react.

cropped-finding-harmony1As I talk about spirituality and the spiritual teachings of Master Li on this Blog, I quickly want to give an example on this. Like everything is life, this way of living is flexible. There are no firm rules you can hold on to. Likewise, it develops over time. Growth is part of everything. Who thinks to have understood the Dean Method completely is already wrong. In spirituality they say, if someone thinks to have already understood something or is on a certain level, exactly this shows he is not. As everything is a new beginning. You also can not hold onto the words of wise men…that would be too great 😉 . Firstly, we all just see the world with our individually coloured view and secondly the spoken word changes as well. It goes with the energy, is not firm.

img_6773An example. Sometimes I think to have understood certain principles. Then Master Li says something which doesn’t accord with what I learnt from him (at least with what I understood). It used to irritate me until I at some point understood that I have just fixed myself onto this although this already is not spirituality anymore. I perceived something though my perception and then clutched at it. But as beautiful the assumed guarantee was, as wrong it was. These are all quite complex examples (I will go more into depth at some point) as we are anyways just able to understand up to our present state of development. Yet it might explain my point. And in the end, if I still get caught up in it, I always ask myself: how can I actually tell and know what the teaching is (and what it is „not“) if I did not create it myself? How can I say: this is like this, if it would disagree with the far clearer view from a spiritual Master? How can I judge what is wrong and what “not” only because everything is changing as part of life? Even if sometimes this megalomania arises in certain moments, eventually it (luckily) brings me down to earth. For by now I know that I do not understand a lot of what wise people say and that I just have to trust in it (as long as I want to go this way). No matter if it makes sense to me or not (so to say to my karma and my conditioning).

img_5094Spirituality means to live and let live. You don’t need to have a shared opinion. Even not with wise men, no one is forcing you. Anyways, no one is forcing you to follow any teachings, views etc. at all. This is all your free will. As long as it feels right, do it. If not, let go. The one golden rule is: live your life how you like it and let others live theirs how they like it. No matter how absurd it seems to you. And even if it is the „wrong“ way for you or even the person itself – it is his life and you should leave it up to him. Advises are good, but they do not insist or judge. To insist on something and to judge does not mean anything less than you not living your life and even disturbing the one of the other person. You yourself want to also live how you like, right? Everyone can live their truth, their life and peacefully co-exist. If someone takes a way that is wrong for you you can simply distance yourself from it, why stick to it?